Sendung vom 25.9.
Wie immer hier vorab das Manuskript der Sendung: Viel Spaß!
Die geistige Heimat / Folge 3
www.diegeistigeheimat.twoday.net
BR - Nachtstudio
ammer
* Intro-Musik: Dusty Springfield „Windmills of your your mind“; nach 51“ (beim Refrain) ausblenden; darüber der Text *
1 War da was?
2 Wo?
1 Na hier! In unserem Land, auf unserem Planeten in unseren Köpfen?
2 In unserer Heimat.
1 „Die geistige Heimat“ - diesmal mit der Sichtung des Sommerlochs. Die Monate Juni bis September.
2 Mit den Ereignissen, die den ganzen Erdball, unser ganzes Land aber vor allem unseren ganzen Kopf prägten und bis heute formen.
1 „Die geistige Heimat“! Das Radioformat in dem die Weltgeschichte vor dem Feuilleton Rechenschaft ablegt über das, was sie im letzten Vierteljahr mit uns angestellt hat.
2 Diesmal in den Hauptrollen: Das Klima, die Gewerkschaften und ein Kirchenfenster. - Jetzt auf dem Prüfstand: Der nichtssagende Sommer 2007!
* Musik Chronomad, Shish, darüber nach dem Akzent *
1 Wir rufen unseren Kolumnisten. Hallo Herr Kolumnist? Immer unterwegs?
a Hallo hier, St. Moritz, fangt schon mal an! Wir haben nur eine Viertelstunde.
2 Eine Viertelstunde Radio für die Ewigkeit der Gefühle. Weltgeschichte im Alltagstest. Wir vergeben bis zu fünf Ewigkeitspunkte an die größten Ereignisse des letzten Vierteljahres.
A Wir gehen zurück!
* Musik Chronomad, Shish, darüber nach dem Akzent *
1 Wir beginnen bei T minus 115, am 2. Juli. Der Sommer, der keiner werden sollte, hatte eigentlich ganz ordentlich mit einem Rekordfrühling begonnen. Da erschütterte ein Ereignis die Welt, von dem die ganze Welt damals dachte, dass es die Welt verändern könnte, das aber heute, gut 100 Tage danach aus lächerlicher Unbedeutsamkeit zu uns herüberschaut.
2 1000 Verletzte gab es am Tag der großen Proteste gegen das Treffen der G8 Regierungschefs in dem ansonsten von der Weltgeschichte gänzlich unbefleckten Ostseebad Heiligendamm. Fast dachte man an diesem Tag vor 115 Tagen, dass in diesem Moment das Heil und die Freiheit der ganzen freien Welt auf der Kippe stand.
1 Die Protestanten marschierten über die Felder auf und die Regierungschef konnten kaum zum Regieren kommen. Ein Welt-Groß-Ereignis kündigte sich an und:
2 Eigentlich passierte dann so gut wie gar nichts, außer dass sich alle furchtbar aufregten über einen Zaun. Was historisch relevanz von diesem Ereignis bleiben wird, ist noch unwichtiger als die Speisenfolge für die Regierungschef über die damals in den Nachrichten berichtet wurde.
1 Frau Merkel soll am Ende mit Herrn Sarkozy gar ein wenig so etwas wie geflirtet haben. Dieser hingegen trank - gegen seine Gewohnheit - früh schon ein Gläschen Champagner und später noch Wodka mit Putin Nur Bush war burschikos uneinsichtig wie immer. Geschichte wird gemacht: Man beschießt eine Halbierung der Treibhausgase bis zum Jahr 2050.
2 Das erleben wir alle nicht mehr.
1 Was Herr Kolumnist bleibt davon?
A Nichts, gar nichts. Vielleicht ein einziger Punkt, aber keine Ewigkeit und erst recht kein Ergebnis.
1 Ich notiere eine Eins angesichts von 1000 Verletzten?
2 Sieht so aus.
A Wir kommen gleich auf das Thema zurück!
* Musik Chronomad, Shish, darüber nach dem Akzent *
2 T minus 85. In Deutschland passiert der Super Gau:
1 Die Lokführer streiken.
2 Und sofort stellt sich die Frage: Darf man in Deutschland wirklich streiken, wenn der Streik Auswirkungen nach außen hat? Die Gerichte tagen und in der Tendenz zeigt es sich, dass die Deutschen dazu tendieren, das Recht auf Pünktlichkeit über das Grundrecht auf Streik zu stellen. Also: Streiken gerne, aber nur, wenn es keiner merkt.
1 Gehörte das Streikrecht nicht einmal zu den Grundprinzipien jeder Demokratie?
A Ja, aber nur, solange nicht wirklich gestreikt wird!
2 Das klingt logisch, aber außer über die Lokführer gab es keine Aufregung.
1 Das nicht, aber vielleicht Ewigkeitspunkte von unserem Rezensenten?
A Klar und zwar mindestens drei.
1 Die aber weniger für den Steik als für dessen Scheitern.
A Wir gehen weiter in der Geschichte.
* Musik Chronomad, Shish, darüber nach dem Akzent *
1 ... und kommen schon zum großen Thema zurück.
2 Der Erde wird angeblich warm. Gut einen Monat nach der vermeintlichen Schlacht um Heiligendamm bei T minus 80 traf sich die Welt auf einem Nachrichtenkanal, um gegen die Erderwärmung zu protestieren, indem sie sich die abgenudeltsten Popstars der Welt ihre abgenudeldsten Hits vorspielen.
1 Al-Gore, als Bin Laden der guten Menschen, protestierte per Videobotschaft und alle anderen sangen und spielten, was die Stadionrock erprobten Kehlen an Kitsch hergaben. Live-Earth hieß das Spektakel und ich weiß jetzt schon, dass unser Kolumnist wahrscheinlich keinen einzigen Punkt vergeben wird?
2 Herr Kolumnist?
A Ihr kennt mich ganz gut. Eine glatte Null.
* Musik Chronomad, Shish, darüber nach dem Akzent *
1 T minus 69 oder: Erinnert sich noch jemand an die Tour de France?
2 Au ja. Vor allem weil unsere Sender sich weigerten das Ereignis weiter zu übertragen. Denn es sah doch sehr danach aus, als ob die urdeutsche Institution T-Mobile es nicht verhindern konnte, dass gedopte Fahrer in ihren Reihen waren.
1 Ein nationaler Skandal!
2 Dagegen war es ein Klacks, das die Mehrheit der Telekom Mitarbeiter nach 5 Wochen Streik sich damit einverstanden erklärten, dass 50.000 ihrer Kollegen in Service-Gesellschaften ausgegliedert werden.
A Sind das die, die alle 3 Tage bei mir anrufen, um mir einen neuen T-Com-Tarif zu verkaufen, den ich schon voe 2 Monate lang bestellt habe?
2 Lieber Kollumnist! Eine Radiosendung ist keine Beschwerdehotline!
A Ok, das Ereignis bleib t außerhalb der Wertung. Aber denen gehört doch allen gekündigt. Weiter mit der Geschichte!
* Musik Chronomad, Shish, darüber nach dem Akzent *
1 Dann kommt das Sommrloch!
2 Und damit die Bayreuther Festspiele!
1 Eine nachrichtenmäßig bekanntermaßen furchtbar phantasievolle Zeit. Wochenlang hatte das Feuilleton nichts anderes zu tun, als über die Regiefähigkeiten der Urenkelin von Richard Wagner zu spekulieren. Die Titelblätter der Tageszeitungen sind voll ...
2 - sie waren es letzte Woche noch -
1 ... voll mit der erschüttenden Frage, ob es wirklich wichtig ist, wer in Bayreuth in Zukunft für furchtbare Inszenierungen verantwortlich ist. Andererseits ist die Posse sozusagen Denver-Clan für Intelektuelle.
A Und deshalb: Drei Punkte für das Regiedebut von Katharina Wagner. War ja sonst nicht los.
2 Mit Verlaub ... eine obskure Wagner-Inszenierung soll welthistorisch wichtiger gewesen sein, als der Gipfel von Heiligendamm?
A So soll es sein! Weiter in der Geschichte dieses mauen Sommers.
* Musik Chronomad, Shish, darüber nach dem Akzent *
2 T minus 42.
1 Der 15. August dieses Jahres wird lange noch als einer der Tage in Erinnerung bleiben, an denen wieder einmal der publizistische Wert eines Menschenlebens deutlich gemacht wurde. Es gab drei synchrone Ereignisse;
2 In Kabul fallen 3 deutsche Polizisten einem Attentat zum Opfer.
1 Tragisch und furchtbar, aber keiner konnte sich genau erinnern, ob das drunten in Kabul nicht in Wirklichkeit jeden Tag so ist. Attentate in dieser Gegend sind furchtbar, gehen aber kaum jemanden nahe.
2 In Peru sterben 500 Menschen bei einem Erdbeben ... 80.000 sind obdachlos.
1 Daran kann sich heute kein Mensch mehr erinnern, aber:
2 In Duisburg werden vor einem Restaurant 6 Italiener erschossen. Das ist eine Nachricht, an die Deutschland sich erinnert. Geistige Heimat sozusagen. Blöd, dass man sich nur daran erinnert. Herr Kolumnist?
1 Politisch korrekt wären es mindestens 4 Punkte für die Obdachlisen in Peru geben, da sich an die keiner erinnert:
A Stattdessen 1 Punkt für das outing der Mafia in Deutschland. Weiter in der Geschichte.
* Musik Chronomad, Shish, darüber nach dem Akzent *
1 Wir kommen nur einen Tag weiter, zu T minus 41, der berühmte 16. Oktober, an dem sich die Ereignisse dieses Sommer geradezu überstürzten.
2 Und zwar weil sich ausgerechnet am 30. Todestags von Elvis Presley, der allein schon ein 5-Punkte-Ereignis von welthistorischer Bedeutung darstellt, die Kanzlerin dieses, unseres Landes, Frau Merkel sich entschloß, mitten im Sommer Grönland zu besuchen.
1 Angeblich um sich, die Themen drehen sich im Kreis...
2 ... nach Klimagipfel in Heiligendamm und Live-Earth-Konzert überall auf der Welt...
1 ... angeblich, um sich über das Ausmaß der Erderwärmung vor Ort zu informieren. Aber wer kann mit Sicherheit ausschließen, dass Frau Merkel nicht etwa den mittlerweile auf Grönland lebenden Elvis Presley in geheimer Mission besuchte?
2 Das würde einiges erklären.
A Ein Ereignis, dass 5 Punkte mit Stern verdienen würde.
2 Und andererseits auch nicht völlig unwahrscheinlich ist. Denn da Elvis qua Ableben vor 30 Jahren nicht mehr an Live-Earth-Konzerten teilnehmen kann, kümmert er sich vielleicht im ewigen Eis um die Erderwärmung.
1 Logisch
A 5 Punkte!
* Musik Chronomad, Shish, darüber nach dem Akzent *
2 Kreuzkruzifix, war denn diesen Sommer wirklich gar nicht los?
1 T minus 37: In Sachsen jagen die Sachsen Inder durch die Stadt.
A Furchtbar, aber nur 1Punkt
2 T minus 32: Die Wälder brennen in Griechenland!
A Genauso furchtbar, wieder 1 Punkt!
1 T minus 21: In Sauerland wurden Islamisten mit Sprengstoff festgenommen
A Nix passiert, kein Punkt
2 T minus 14. Bin Laden, der Al Gore des Islamismus, hat sichfür seine neueste Videobotschaft den Bart gefärbt.
1 Bush sieht sich in seinem Kampf gegen den Terror bestärkt.
A Nichts neues also, kein Punkt
2 T minus 11. Ein Erzbischof regt sich über ein ästhetisch völlig unbedeutenden Kirchenfenster in Köln auf und benutzt dabei mit dem Wort „entartet“.
1 Daran ist weniger schlimm, dass sich ein konservativer Kardinal über ein modernes Kunstwerk aufregt ... das ist als Vertreter der Kirche fast so etwas wie seine heilige Pflicht.
1 Und die Wortwahl von Kardinal Meisners Kritik an Gerhard Richters Fenster für den Kölner Dom ist sicherlich unglücklich.
2 Das einzig bemerkenswert an diesem Ereignis ist, dass der Kardinal der einzige ist, der es in dieser Republik gewagt hat, ein völlig unbedeutenes, läppisches, missratenes Stück Kunstgewerbe ...
1 - denn nichts anderes ist Richters Fenster mit der Ästhetik eines Küchenkachelladens -
2 ... dass er der einzige ist, der es wagt, ein völlig misslungenes Stück Kunstgewerbe als misslungen zu bezeichnen. Bedeutungsloser als in Richters Kirchenfenster war die moderne Kunst nie. Folglich gilt für uns hier:
A Kein Ereignis, kein Punkt für die geistige Heimat..
1 Gutd, dass der Sommer ein Ende hat.
2 In Summa: Es war ein Sommer, in dem mehr darüber diskutiert wurde, wer die Nachrichten jetzt vorlesen soll, als dass es wirklich Nachrichten gegeben hätte, die des Vorlesens Wert gewesen wären.
1 Wenn es wenigstens ein Sommer gewesen wäre, hätte so alles seine Richtigkeit gehabt, aber leider hat nicht einmal das Wetter mitgespielt, für das der Kolumnist wieder ...
A 0 Punkte
1 ... vergibt. Das gibt eine Katastrophale Gesamtwertung:
2 Der Winter ergab noch 2,5 Punkte aus sieben Ereignissen, dagegen fiel der Frühling schon mit 2,2 Punkten aus 10 Ereignissen spürbar ab. Der Sommer ergab nur mühsame 1,5 Punkte aus 10 Ereignissen, die allesamt kaum ein Ereignis waren. Wobei sich natürlich die Frage stellt, ob es für die geistige Heimat besser ist, wenn etwas passiert oder ob es nicht besser ist, es passiert nichts.
1 Dies wiederum ist vom Wetter abhängig.
A Wir drehen uns im Kreis und beenden die Sendezeit.
2 Trotz dieser wissenschaftlich niederschmetternden Ergebnisse einem ereignislosen Sommers empfiehlt unser Rezensent
A Weiterleben!
1 Aber der ist ja auch in St. Moritz. Wiederhören bis zur nächsten „Geistigen Heimat“ T plus neunzig Tagen auf diesem Sender.
* Outro-Musik „King’s Sisters“ Ende (Die letzten 33“) von „Windmills of your your mind“ *
Die geistige Heimat / Folge 3
www.diegeistigeheimat.twoday.net
BR - Nachtstudio
ammer
* Intro-Musik: Dusty Springfield „Windmills of your your mind“; nach 51“ (beim Refrain) ausblenden; darüber der Text *
1 War da was?
2 Wo?
1 Na hier! In unserem Land, auf unserem Planeten in unseren Köpfen?
2 In unserer Heimat.
1 „Die geistige Heimat“ - diesmal mit der Sichtung des Sommerlochs. Die Monate Juni bis September.
2 Mit den Ereignissen, die den ganzen Erdball, unser ganzes Land aber vor allem unseren ganzen Kopf prägten und bis heute formen.
1 „Die geistige Heimat“! Das Radioformat in dem die Weltgeschichte vor dem Feuilleton Rechenschaft ablegt über das, was sie im letzten Vierteljahr mit uns angestellt hat.
2 Diesmal in den Hauptrollen: Das Klima, die Gewerkschaften und ein Kirchenfenster. - Jetzt auf dem Prüfstand: Der nichtssagende Sommer 2007!
* Musik Chronomad, Shish, darüber nach dem Akzent *
1 Wir rufen unseren Kolumnisten. Hallo Herr Kolumnist? Immer unterwegs?
a Hallo hier, St. Moritz, fangt schon mal an! Wir haben nur eine Viertelstunde.
2 Eine Viertelstunde Radio für die Ewigkeit der Gefühle. Weltgeschichte im Alltagstest. Wir vergeben bis zu fünf Ewigkeitspunkte an die größten Ereignisse des letzten Vierteljahres.
A Wir gehen zurück!
* Musik Chronomad, Shish, darüber nach dem Akzent *
1 Wir beginnen bei T minus 115, am 2. Juli. Der Sommer, der keiner werden sollte, hatte eigentlich ganz ordentlich mit einem Rekordfrühling begonnen. Da erschütterte ein Ereignis die Welt, von dem die ganze Welt damals dachte, dass es die Welt verändern könnte, das aber heute, gut 100 Tage danach aus lächerlicher Unbedeutsamkeit zu uns herüberschaut.
2 1000 Verletzte gab es am Tag der großen Proteste gegen das Treffen der G8 Regierungschefs in dem ansonsten von der Weltgeschichte gänzlich unbefleckten Ostseebad Heiligendamm. Fast dachte man an diesem Tag vor 115 Tagen, dass in diesem Moment das Heil und die Freiheit der ganzen freien Welt auf der Kippe stand.
1 Die Protestanten marschierten über die Felder auf und die Regierungschef konnten kaum zum Regieren kommen. Ein Welt-Groß-Ereignis kündigte sich an und:
2 Eigentlich passierte dann so gut wie gar nichts, außer dass sich alle furchtbar aufregten über einen Zaun. Was historisch relevanz von diesem Ereignis bleiben wird, ist noch unwichtiger als die Speisenfolge für die Regierungschef über die damals in den Nachrichten berichtet wurde.
1 Frau Merkel soll am Ende mit Herrn Sarkozy gar ein wenig so etwas wie geflirtet haben. Dieser hingegen trank - gegen seine Gewohnheit - früh schon ein Gläschen Champagner und später noch Wodka mit Putin Nur Bush war burschikos uneinsichtig wie immer. Geschichte wird gemacht: Man beschießt eine Halbierung der Treibhausgase bis zum Jahr 2050.
2 Das erleben wir alle nicht mehr.
1 Was Herr Kolumnist bleibt davon?
A Nichts, gar nichts. Vielleicht ein einziger Punkt, aber keine Ewigkeit und erst recht kein Ergebnis.
1 Ich notiere eine Eins angesichts von 1000 Verletzten?
2 Sieht so aus.
A Wir kommen gleich auf das Thema zurück!
* Musik Chronomad, Shish, darüber nach dem Akzent *
2 T minus 85. In Deutschland passiert der Super Gau:
1 Die Lokführer streiken.
2 Und sofort stellt sich die Frage: Darf man in Deutschland wirklich streiken, wenn der Streik Auswirkungen nach außen hat? Die Gerichte tagen und in der Tendenz zeigt es sich, dass die Deutschen dazu tendieren, das Recht auf Pünktlichkeit über das Grundrecht auf Streik zu stellen. Also: Streiken gerne, aber nur, wenn es keiner merkt.
1 Gehörte das Streikrecht nicht einmal zu den Grundprinzipien jeder Demokratie?
A Ja, aber nur, solange nicht wirklich gestreikt wird!
2 Das klingt logisch, aber außer über die Lokführer gab es keine Aufregung.
1 Das nicht, aber vielleicht Ewigkeitspunkte von unserem Rezensenten?
A Klar und zwar mindestens drei.
1 Die aber weniger für den Steik als für dessen Scheitern.
A Wir gehen weiter in der Geschichte.
* Musik Chronomad, Shish, darüber nach dem Akzent *
1 ... und kommen schon zum großen Thema zurück.
2 Der Erde wird angeblich warm. Gut einen Monat nach der vermeintlichen Schlacht um Heiligendamm bei T minus 80 traf sich die Welt auf einem Nachrichtenkanal, um gegen die Erderwärmung zu protestieren, indem sie sich die abgenudeltsten Popstars der Welt ihre abgenudeldsten Hits vorspielen.
1 Al-Gore, als Bin Laden der guten Menschen, protestierte per Videobotschaft und alle anderen sangen und spielten, was die Stadionrock erprobten Kehlen an Kitsch hergaben. Live-Earth hieß das Spektakel und ich weiß jetzt schon, dass unser Kolumnist wahrscheinlich keinen einzigen Punkt vergeben wird?
2 Herr Kolumnist?
A Ihr kennt mich ganz gut. Eine glatte Null.
* Musik Chronomad, Shish, darüber nach dem Akzent *
1 T minus 69 oder: Erinnert sich noch jemand an die Tour de France?
2 Au ja. Vor allem weil unsere Sender sich weigerten das Ereignis weiter zu übertragen. Denn es sah doch sehr danach aus, als ob die urdeutsche Institution T-Mobile es nicht verhindern konnte, dass gedopte Fahrer in ihren Reihen waren.
1 Ein nationaler Skandal!
2 Dagegen war es ein Klacks, das die Mehrheit der Telekom Mitarbeiter nach 5 Wochen Streik sich damit einverstanden erklärten, dass 50.000 ihrer Kollegen in Service-Gesellschaften ausgegliedert werden.
A Sind das die, die alle 3 Tage bei mir anrufen, um mir einen neuen T-Com-Tarif zu verkaufen, den ich schon voe 2 Monate lang bestellt habe?
2 Lieber Kollumnist! Eine Radiosendung ist keine Beschwerdehotline!
A Ok, das Ereignis bleib t außerhalb der Wertung. Aber denen gehört doch allen gekündigt. Weiter mit der Geschichte!
* Musik Chronomad, Shish, darüber nach dem Akzent *
1 Dann kommt das Sommrloch!
2 Und damit die Bayreuther Festspiele!
1 Eine nachrichtenmäßig bekanntermaßen furchtbar phantasievolle Zeit. Wochenlang hatte das Feuilleton nichts anderes zu tun, als über die Regiefähigkeiten der Urenkelin von Richard Wagner zu spekulieren. Die Titelblätter der Tageszeitungen sind voll ...
2 - sie waren es letzte Woche noch -
1 ... voll mit der erschüttenden Frage, ob es wirklich wichtig ist, wer in Bayreuth in Zukunft für furchtbare Inszenierungen verantwortlich ist. Andererseits ist die Posse sozusagen Denver-Clan für Intelektuelle.
A Und deshalb: Drei Punkte für das Regiedebut von Katharina Wagner. War ja sonst nicht los.
2 Mit Verlaub ... eine obskure Wagner-Inszenierung soll welthistorisch wichtiger gewesen sein, als der Gipfel von Heiligendamm?
A So soll es sein! Weiter in der Geschichte dieses mauen Sommers.
* Musik Chronomad, Shish, darüber nach dem Akzent *
2 T minus 42.
1 Der 15. August dieses Jahres wird lange noch als einer der Tage in Erinnerung bleiben, an denen wieder einmal der publizistische Wert eines Menschenlebens deutlich gemacht wurde. Es gab drei synchrone Ereignisse;
2 In Kabul fallen 3 deutsche Polizisten einem Attentat zum Opfer.
1 Tragisch und furchtbar, aber keiner konnte sich genau erinnern, ob das drunten in Kabul nicht in Wirklichkeit jeden Tag so ist. Attentate in dieser Gegend sind furchtbar, gehen aber kaum jemanden nahe.
2 In Peru sterben 500 Menschen bei einem Erdbeben ... 80.000 sind obdachlos.
1 Daran kann sich heute kein Mensch mehr erinnern, aber:
2 In Duisburg werden vor einem Restaurant 6 Italiener erschossen. Das ist eine Nachricht, an die Deutschland sich erinnert. Geistige Heimat sozusagen. Blöd, dass man sich nur daran erinnert. Herr Kolumnist?
1 Politisch korrekt wären es mindestens 4 Punkte für die Obdachlisen in Peru geben, da sich an die keiner erinnert:
A Stattdessen 1 Punkt für das outing der Mafia in Deutschland. Weiter in der Geschichte.
* Musik Chronomad, Shish, darüber nach dem Akzent *
1 Wir kommen nur einen Tag weiter, zu T minus 41, der berühmte 16. Oktober, an dem sich die Ereignisse dieses Sommer geradezu überstürzten.
2 Und zwar weil sich ausgerechnet am 30. Todestags von Elvis Presley, der allein schon ein 5-Punkte-Ereignis von welthistorischer Bedeutung darstellt, die Kanzlerin dieses, unseres Landes, Frau Merkel sich entschloß, mitten im Sommer Grönland zu besuchen.
1 Angeblich um sich, die Themen drehen sich im Kreis...
2 ... nach Klimagipfel in Heiligendamm und Live-Earth-Konzert überall auf der Welt...
1 ... angeblich, um sich über das Ausmaß der Erderwärmung vor Ort zu informieren. Aber wer kann mit Sicherheit ausschließen, dass Frau Merkel nicht etwa den mittlerweile auf Grönland lebenden Elvis Presley in geheimer Mission besuchte?
2 Das würde einiges erklären.
A Ein Ereignis, dass 5 Punkte mit Stern verdienen würde.
2 Und andererseits auch nicht völlig unwahrscheinlich ist. Denn da Elvis qua Ableben vor 30 Jahren nicht mehr an Live-Earth-Konzerten teilnehmen kann, kümmert er sich vielleicht im ewigen Eis um die Erderwärmung.
1 Logisch
A 5 Punkte!
* Musik Chronomad, Shish, darüber nach dem Akzent *
2 Kreuzkruzifix, war denn diesen Sommer wirklich gar nicht los?
1 T minus 37: In Sachsen jagen die Sachsen Inder durch die Stadt.
A Furchtbar, aber nur 1Punkt
2 T minus 32: Die Wälder brennen in Griechenland!
A Genauso furchtbar, wieder 1 Punkt!
1 T minus 21: In Sauerland wurden Islamisten mit Sprengstoff festgenommen
A Nix passiert, kein Punkt
2 T minus 14. Bin Laden, der Al Gore des Islamismus, hat sichfür seine neueste Videobotschaft den Bart gefärbt.
1 Bush sieht sich in seinem Kampf gegen den Terror bestärkt.
A Nichts neues also, kein Punkt
2 T minus 11. Ein Erzbischof regt sich über ein ästhetisch völlig unbedeutenden Kirchenfenster in Köln auf und benutzt dabei mit dem Wort „entartet“.
1 Daran ist weniger schlimm, dass sich ein konservativer Kardinal über ein modernes Kunstwerk aufregt ... das ist als Vertreter der Kirche fast so etwas wie seine heilige Pflicht.
1 Und die Wortwahl von Kardinal Meisners Kritik an Gerhard Richters Fenster für den Kölner Dom ist sicherlich unglücklich.
2 Das einzig bemerkenswert an diesem Ereignis ist, dass der Kardinal der einzige ist, der es in dieser Republik gewagt hat, ein völlig unbedeutenes, läppisches, missratenes Stück Kunstgewerbe ...
1 - denn nichts anderes ist Richters Fenster mit der Ästhetik eines Küchenkachelladens -
2 ... dass er der einzige ist, der es wagt, ein völlig misslungenes Stück Kunstgewerbe als misslungen zu bezeichnen. Bedeutungsloser als in Richters Kirchenfenster war die moderne Kunst nie. Folglich gilt für uns hier:
A Kein Ereignis, kein Punkt für die geistige Heimat..
1 Gutd, dass der Sommer ein Ende hat.
2 In Summa: Es war ein Sommer, in dem mehr darüber diskutiert wurde, wer die Nachrichten jetzt vorlesen soll, als dass es wirklich Nachrichten gegeben hätte, die des Vorlesens Wert gewesen wären.
1 Wenn es wenigstens ein Sommer gewesen wäre, hätte so alles seine Richtigkeit gehabt, aber leider hat nicht einmal das Wetter mitgespielt, für das der Kolumnist wieder ...
A 0 Punkte
1 ... vergibt. Das gibt eine Katastrophale Gesamtwertung:
2 Der Winter ergab noch 2,5 Punkte aus sieben Ereignissen, dagegen fiel der Frühling schon mit 2,2 Punkten aus 10 Ereignissen spürbar ab. Der Sommer ergab nur mühsame 1,5 Punkte aus 10 Ereignissen, die allesamt kaum ein Ereignis waren. Wobei sich natürlich die Frage stellt, ob es für die geistige Heimat besser ist, wenn etwas passiert oder ob es nicht besser ist, es passiert nichts.
1 Dies wiederum ist vom Wetter abhängig.
A Wir drehen uns im Kreis und beenden die Sendezeit.
2 Trotz dieser wissenschaftlich niederschmetternden Ergebnisse einem ereignislosen Sommers empfiehlt unser Rezensent
A Weiterleben!
1 Aber der ist ja auch in St. Moritz. Wiederhören bis zur nächsten „Geistigen Heimat“ T plus neunzig Tagen auf diesem Sender.
* Outro-Musik „King’s Sisters“ Ende (Die letzten 33“) von „Windmills of your your mind“ *
ammer - 24. Sep, 11:09