Sendung v. 18.3. ('Arbeitsmanuskript)
Die geistige Heimat / Folge 5
BR - Nachtstudio
ammer
* Intro-Musik: Dusty Springfield „Windmills of your your mind“; nach 51“ (beim Refrain) ausblenden; darüber der Text *
1 Die Macht legt sich ins Lotterbett der Schönheit, der Reichtum bringt sich in Sicherheit vor dem Mob, eine mutige Frau bringt eine Partei zum Äußersten und ein einsamer Kämpfer raucht vor der Tür seine letzte Zigarette.
2 War da was?
1 Wo?
2 Na hier! In diesem Land, auf unserem Planeten, in unseren Köpfen?
1 In unserer Heimat ...
2 ... mit unserem Geist.
1 „Die geistige Heimat“ – Ausgabe 1/08 findet heraus was Dieter Bohlen und Carla Bruni gemeinsam haben und was Obama von Ypsilanti lernen kann ...
* Musik Chronomad, Shish, darüber nach dem Akzent *
2 „Die geistige Heimat“ – Eine Viertelstunde Radio für die Ewigkeit der Gefühle. Weltgeschichte im Alltagstest. Unser Kolumnist ...
A Guten Abend!
1 ... vergibt bis zu fünf Ewigkeitspunkte an die größten Ereignisse des letzten Vierteljahres. Diesmal war richtig was los!
A Wir gehen zurück!
2 Und wissen vor lauter Chaos gar nicht, an welchem Tag es losging, dass eine mutige Politiker in mit einem griechisch phanariotischen Namen ...
1 phanariotisch?
2 Ja, Ypsilanti – so zeigt ein Blick ins digitale Lexikon - ist ein phanariotischer Name. Phanar war der Amtssitz des grichisch-orthodoxen Patriarchen. Die Familie Ypsilanti bekleidete seit dem 18. Jahrhundert hohe Staatsämter im osmanischen Reich.
1 Und genau daran zerbricht jetzt die SPD?
2 Eher an ihrer Unfähigkeit, sich selbst noch im Spiegel als linke Partei anzusehen. Das nämlich macht statt ihrer und nicht ganz ohne demokratischen Erfolg jetzt eine andere Partei.
1 Nur Andrea Ypsilanti und ihre hessische SPD wäre ganz gerne noch etwas links und unabhängig.
2 Ganz wie ihr Namensvetter Demetrios Ypsilanti, der es im griechischejn Unabhängigkeitskrieg gegen die Türken zum General brachte.
1 Damit hat allerdings nichts zu tun, dass der deutsche Innenminister in den Schulen seitletzter Woche T minus 5 Islamunterricht anbieten will.
A Als ob es nie eine Aufklärung gegeben hätte ...
2 ... ächzt unser Kolumnist, der Ethikunterricht für alle Konfessionen jeglicher religiösen Sektiererei vorziehen würde.
1 Wieveil Punkte für Ypsilanti?
A Soviel Punkte, wie die SPD bei der nächsten Wahl Prozente bekommt, wenn sie so weitermacht.
2 Also 5?
A Exakt. Wir gehen zurück!
* Musik Chronomad, Shish, darüber nach dem Akzent *
1 T minus 34 – ist es wirklich schon so lange her, dass der Staatsanwalt beim Postchef, dessen Zinseinkünfte so gering waren, dass sie unter den Sparer-Freibetrag fielen, zur Steuer-Razzia anrückte?
2 Wir wunderten uns damals darüber, dass etwas, das jeder wusste, dass nämlich die Reichen in dieser Republik nur mäßig Steuern zahlen, weil sie ihr Geld gerne in Liechtenstein oder in obskuren Firmen parken, dass das wirklich verboten ist und endlich verfolgt wird.
1 So war nicht der Skandal das skandalöse, sonder allein der Umstand, dass wirklich – dank BND und einiger weniger als halblegal bezahlten Millionen für Informanten – wirklich ein Exempel statuiert wurde.
2 Gerechtigkeit für uns kleine Steuersünder, die wir brav von der Steuerfahndung getriezt werden, kündigte sich an. Aber Gerechtigkeit ist leider keine historische Dimension für die „Geistige Heimat“, also vergibt unser Kolumnist:
A Nur 2 Punkte!
1 ... für die aufgedeckten Liechtenstein Deals unserer Finanzelite. Obendrein vermisst unser Kolumnist bis heute all die anderen, versprochenen Razzien.
A Wir gehen zurück. Es gab Dinge, die die geistige Welt schneller bewegten!
2 Um die Zukunft von Ex-Postchef muß man sich keine Sorgen machen: Er ist au freiem Fuß, die Steuerschulden hat er aus der Portokasse beglichen und gerade bewirbt er sich als Aufsichtsrat bei einer Touristikfirma.
1 Mit Fahrten in angrenzende Zwergstaaten kennt er sich ja aus.
* Musik Chronomad, Shish, darüber nach dem Akzent *
1 T minus 42. Der Globus fieberte einem Dienstag entgegen, der von den Amerikanern unbescheiden „Super Tuesday“ genannt wird. Er sollte endgültig Gewissheit bringen, ob Barack, der Schwarze, oder Hillary, die Weibliche, Kandidat der Demokratischen Partei in Amerika werden soll, kann, darf oder muß ...
2 Es kam, wie es noch nie kam: Es fiel damals keine Entscheidung, so wie bis heute noch keine gefallen ist. Hillary ging am „Super Tuesday“ knapp in Führung, um diese dann wieder zu verlieren. Vor allem aber verlieren die Amerikaner: nämlich langsam die Lust an dem endlosen Duell. Soviel Demokratie war da drüben lange nicht mehr.
A Alle Punkte der Kolumne für Obama!
1 Ich notiere 5! Wir gehen zurück: zu T minus 45.
2 Ein Tag wie er nur in Frankreich möglich ist. Der etwas präpotente Kraftmeier aus dem Elysee-Palast heiratet ein bekanntes Ex Modell, das zuvor bereits einige äußerst erfolgreiche Karrieren als Millionenerbin, Model, Sängerin und Groupie hingelegt hatte.
1 Das Jahresgehalt von Carla Bruni, die aus einer wohlhabenden italienischen Industiellenfamile stammt, soll bereits in den neunziger Jahren über 7 Millionen Dollar betragen haben. Danach startete die Schöne noch eine Karriere als nicht ganz unbegabte Sängerin. Sie hatte sogar Nummer 1 Hits und ein erfülltes Sexualleben. Man munkelt
2 ... unter anderem! ...
1 ... von Affären mit Mick Jagger, Eric Clapton, Donald Trumpp, Sean Connery und Kevin Costner.
A Das ist zuviel des Guten!
1 ... meint dazu unser Kolumnist.
2 Und beklagt sich etwas, dass so etwas in Deutschland undenkbar wäre.
1 Würde es doch bedeuten, dass Angela Merkel ihren Mann verlässt und offensiv zu ihrer romantischen Beziehung zu Dieter Bohlen steht, um ihn daraufhin in Polen in einer evangelischen Kirche zu heiraten.
A Schon wieder: Volle Punktzahl!
1 ... vergibt unser Kolumnist für die französische Hochzeit von Geld, Macht, Musik und Schönheit.
2 5 Punkte: Vor allem weil Sarkuzy und Bruni sich weltweit zum Botschafter der freien Liebe machten, indem sie als unverheiratetes Paar zuerst in Ägypten die islamistischen Moralwächter auf den Plan riefen, dann auf ihrer Liebestour um die Welt saudiarabische Diplomaten umsonst fordern ließen, dass der französische Präsident – Zitat –
1 „seine Herzensdame aus religiösen Gründen zu Hause lassen“ solle
2 ... und schließlich die indische Regierung in Verlegenheit brachten, weil auch das dortige Protokoll keine Besuche von unverheirateten Paaren vorsehe.
A Wahre Liebe findet einen Weg. Ich bleib dabei: 5 Punkte mit Herz!
2 Was bleiben wird, ist die sentimentale Erinnerung, dass Macht auch mit Kraft, Sex, Romantik und Heldentum zu tun hat und nicht nur mit Bigotterie und Heuchelei.
1 Wir gehen zurück:
* Musik Chronomad, Shish, darüber nach dem Akzent *
2 T minus 50: Schon wieder: die Hessenwahl!
1 Oh nein! Solange geht das schon?
2 Bei der Landtagswahl in Hessen gewinnt keine Partei die Mehrheit, keine kann regieren. Die CDU nicht, die mit ihrem dummdreisten Wahlkampf verlor, die SPD nicht, die mit ungeschickten Wahlversprechen etwas gewann. Die kleinen Parteien nicht, weil die eine nicht mit jener und jene nicht mit dieser Partei regieren will oder kann. Ein dümmlicher Kleinkrieg um Versprechen und Prinzipien beginnt, in dem niemand gewinnen will oder kann. Wir lernen daraus,
a ... dass in Deutschland alle Partein zu blöd zum Regieren sind. Basta! Kein Wort mehr. Das Thema nervt. Carla Bruni in den Hessenrat.
2 Man stelle sich nur vor, mit welch kolossaler Geste ganz nebenbei Sarko die Führungskrise von SPD-Beck beendet hätte.
1 Nicht auszudenken!
2 Wir gehen zurück.
1 Das nächste Ereignis – nur einen Tag früher - hatten wir schon fast Vergessen: T minus 51 - Den Ausbruch eines Volkes aus seinen Grenzen. Am 26. Januar reißt die Hamas die Mauer nach Ägypten ein. Palästinenser stürmen das Nachbarland auf der Suche nach Lebensmitteln, billigen Kühlschränken und allem, was ein Mensch zum Leben braucht.
2 Kurzzeitig wagt man an den Fall der deutschen Mauer zu denken und daran, dass da drunten in jenem Open-Air-Gefängnis Palästina plötzlich alles gut werden könnte, so wie in Deutschland mit dem Fall der Mauer plötzlich alles so etwas wie gut wurde, ...
1 ... aber natürlich war das nur ein unhistorischer Traum, der ein Nichts an Wahrheit in sich trägt. Seitdem wurden die Bomben nur schwerer und der Krieg noch permanenter. Was für ein Elend, was für eine schwache Welt, die diesen Konflikt, der um ein wenige Kilometer breites Stück Land geführt wird, nicht beenden kann.
2 Wahrscheinlich hätte für die Rüstungskosten, die diese Auseinandersetzung seit Jahrzehnten verschlingt, jedem Palästinenser ein schickes Haus mit Grundstück im Grünen irgendwo anders auf der Welt spendiert werden können. Aber nein: die Welt, die überall voller Wunder und Schönheit ist, streitet sich um ein staubiges, verdrecktes Stück Wüste.
A Das ist noch weniger zu verstehen als der Sinn des Lebens,
1 ... meint dazu unser Kolumnist. Leider nur einen Punkt für den Fall der Mauer in Palästina, der nichts gebracht hat außer ein paar ergreifenden Photos und frischen Lebensmitteln. Wir gehen zurück.
* Musik Chronomad, Shish, darüber nach dem Akzent *
2 und kommen zum Lieblingsereignis unseres Kolumnisten im vergangenen Quartal:
1 T minus 53 - Am 24. Januar gesteht eine französische Bank, dass einer ihrer Angestellten bei Börsenspekulationen, die er angeblich auf eigene Faust gemacht hat, 4,9 Milliarden Euro Verlust gemacht hat. Unser Kolumnist gesteht klammheimlich:
A Schadenfreude!
1 Und doch bleiben Fragen:
2 Wetten auf Kursgewinne des DAX sind alltäglich im Finanzgeschäft. Der Angestellte machte also nur, was alle Banken machen. Wenn er das Geld für seine Bank gewonnen hätte, dann wäre er der große Held gewesen. Was hätte die Bank dann gemacht? Das Geld an ihre Kunden ausgeschüttet? Die Sparbücher überflutet?
1 Niemand hätte sich aufgeregt wenn der arme Bankangestellte zu einer Zeit bekannt geworden wäre, als er noch mehrere Milliarden bei Spekulationen gewonnen hatte.
A Wir lernen daraus:
2 Nicht das riskante Spekulieren ist verboten, sondern nur das Verlieren. Dies ist aber folgenlos, weil es die Geschäftskunden der Bank finanzieren. Welches Geld wird da eigentlich verspielt?
1 Ganz klar: Wenn die Bank gewinnt, gehört es der Bank, wenn sie verliert, zahlt der Kunde, der Staat, also wir.
2 ... vermutet unser Kolumnist, aber der hat in Finanzdingen keine Ahnung, sonst müsste er nicht solche Kolumnen hier schreiben. Fasziniert vergibt er schon wieder 5 Punkte und weist aus historischer Gerechtigkeit darauf hin:
1 Deutsche Banken machen vergleichbare Verluste auch ohne riskante Börsenwetten. Bei T minus 58 beispielsweise gab die West LB bekannt, dass sie, 2 Milliaren Euro staatlichen Zuschuß braucht.
2 Die hochbezahlten Manager und Aufsichtsräte haben von diesen Geschäften wie immer nichts mitbekommen.
1 Nicht einmal bayrische Finanzminister wissen, was beispielsweise in der Bayern LB vor sich geht. Auch da fallen Verluste vom Himmel und die bösen Amis mit ihren unsauberein Immobiliengeschäften sind schuld. Unser Kolumnist fragt:
A Was beaufsichtigt eigentlich ein Aufsichtsrat?
2 ... und rechnet weiter wie ein Milchmädchen. Die 2 Milliarden der West LB, das sind nicht ganz 1% des Bundeshaushaltes, die hier mit einem Schlag verpulvert, verfeuert, vernichtet, verschlampt, verbrannt zum Fenster hinausgeworfen wurden. Wieviel Landesbanken haben wir?
A Wahnsinn! 4 Punkte dafür.
1 Ein Zitat haben wir noch: Noch heute wirbt die West LB, deren Manager im Verdacht steht, den Aufsichtsrat hintergangen zu haben, deren Belegschaft wohl zu einem Drittel entlassen werden wird und die den Staatshaushalt mit Millardenforderungen belastet, auf ihrer Internetseite mit dem Spruch:
2 „Ganzheitliches Denken, nachhaltiges Handeln und gesellschaftliche Verantwortung bestimmen unser Tun.“
A Selten wurde dreister gelogen.
* Musik Chronomad, Shish, darüber nach dem Akzent *
2 T minus 85. Der schwarze US Senator Barack Obama gewinnt die erste aller Vorwahlen um die Kandidatur für den Präsidentschaftsposten.
1 Dies wiederum ist ein gutes Beispiel dafür, dass Geschichte so wie der Kampf von Olli Kahn eben immer weiter geht und immer weiter geht und nie ein Ende findet. Obamas Sieg im Januar ist nur deshalb von historischer Bedeutung, weil bei T minus 80 seine Konkurrentin Hillary Clinton die nächste Vorwahl in New Hampshire überraschend gewinnt und seitdem beide sich ein nie mehr endendes Rennen um den wichtigsten Posten der Welt liefern.
2 Unser Kolumnist vermutet.
A Es wird Amerika so gehen wie Hessen.
1 Dort regiert statt Ypsilanti auch noch der längst abgewählte Koch. Und so wie Dieter Bohlen die Carla Bruni Deutschlands werden könnte, so wird Obama endlich die Ypsilanti Amerikas.
A Was zu beweisen war!
2 Fassungslos steht die Welt vor dem erbitterten Ringen eines Schwarzen und einer Frau um den Posten eines Kandidaten. Plötzlich scheinen alle Rentiments im an Resentiment reichen Staat USA hinweggefegt. Die Welt könnte plötzliche eine gute sein. Unser Kolumnist sieht es kommen, dass ...
A ... bei der nächsten Präsidentschaftswahl in den USA ein Islamist gegen einen Homosexuellen antritt.
1 Und wir gehen noch einen letzten Schritt zurück
* Musik Chronomad, Shish, darüber nach dem Akzent *
2 Und kommen zum Ende dieser Kolmne, zum Anfang des Jahres und zum Tiefpunkt des Geistes. Zum 1. Januar, T minus 88; der Tag an dem in Bayern und in 7 anderen Bundesländern ein Gesetz in Kraft trat, dessen Durchsetzung noch Monate später selbst die allmächtige CSU ins Wanken bringen wird. Ab diesem Tag darf in Bayern in Kneipen nicht mehr geraucht werden. Kein Gesetz des Jahrhunderts wird so leidenschaftlich diskutiert.
1 Nicht Geldvernichtung, nicht Korruption, nicht der autobahnenübergreifende Überwachungsstaat erregt die Deutschen, sondern allein das Verbot in Kneipen zu rauchen. Das sagt alles über den Zustand unserer geistigen Heimat aus. Unser Kolumnist, ein Gelegenheitsraucher vergibt für dieses Ereignis, das bis heute die bayrische Geschichte durchzittert ...
a 5 Punkte, selbst in diesem überaus ereignisreichen Quartal.
2 Womit wir am Ende und bei der Gesamtwertung wären. Noch nie in der Geschichte der „Geistigen Heimat“ gab es so viele hochrangige Ereignisse in einem Quartal. 3,8 Punkte aus 8 Großereignissen in 88 Tagen, das ist Rekord. Mehr von Klassenkampf und Schmonzette, Kriegen und Skandalen im nächsten Quartal.
* Outro-Musik „King’s Sisters“ Ende (Die letzten 33“) von „Windmills of your your mind“ *
BR - Nachtstudio
ammer
* Intro-Musik: Dusty Springfield „Windmills of your your mind“; nach 51“ (beim Refrain) ausblenden; darüber der Text *
1 Die Macht legt sich ins Lotterbett der Schönheit, der Reichtum bringt sich in Sicherheit vor dem Mob, eine mutige Frau bringt eine Partei zum Äußersten und ein einsamer Kämpfer raucht vor der Tür seine letzte Zigarette.
2 War da was?
1 Wo?
2 Na hier! In diesem Land, auf unserem Planeten, in unseren Köpfen?
1 In unserer Heimat ...
2 ... mit unserem Geist.
1 „Die geistige Heimat“ – Ausgabe 1/08 findet heraus was Dieter Bohlen und Carla Bruni gemeinsam haben und was Obama von Ypsilanti lernen kann ...
* Musik Chronomad, Shish, darüber nach dem Akzent *
2 „Die geistige Heimat“ – Eine Viertelstunde Radio für die Ewigkeit der Gefühle. Weltgeschichte im Alltagstest. Unser Kolumnist ...
A Guten Abend!
1 ... vergibt bis zu fünf Ewigkeitspunkte an die größten Ereignisse des letzten Vierteljahres. Diesmal war richtig was los!
A Wir gehen zurück!
2 Und wissen vor lauter Chaos gar nicht, an welchem Tag es losging, dass eine mutige Politiker in mit einem griechisch phanariotischen Namen ...
1 phanariotisch?
2 Ja, Ypsilanti – so zeigt ein Blick ins digitale Lexikon - ist ein phanariotischer Name. Phanar war der Amtssitz des grichisch-orthodoxen Patriarchen. Die Familie Ypsilanti bekleidete seit dem 18. Jahrhundert hohe Staatsämter im osmanischen Reich.
1 Und genau daran zerbricht jetzt die SPD?
2 Eher an ihrer Unfähigkeit, sich selbst noch im Spiegel als linke Partei anzusehen. Das nämlich macht statt ihrer und nicht ganz ohne demokratischen Erfolg jetzt eine andere Partei.
1 Nur Andrea Ypsilanti und ihre hessische SPD wäre ganz gerne noch etwas links und unabhängig.
2 Ganz wie ihr Namensvetter Demetrios Ypsilanti, der es im griechischejn Unabhängigkeitskrieg gegen die Türken zum General brachte.
1 Damit hat allerdings nichts zu tun, dass der deutsche Innenminister in den Schulen seitletzter Woche T minus 5 Islamunterricht anbieten will.
A Als ob es nie eine Aufklärung gegeben hätte ...
2 ... ächzt unser Kolumnist, der Ethikunterricht für alle Konfessionen jeglicher religiösen Sektiererei vorziehen würde.
1 Wieveil Punkte für Ypsilanti?
A Soviel Punkte, wie die SPD bei der nächsten Wahl Prozente bekommt, wenn sie so weitermacht.
2 Also 5?
A Exakt. Wir gehen zurück!
* Musik Chronomad, Shish, darüber nach dem Akzent *
1 T minus 34 – ist es wirklich schon so lange her, dass der Staatsanwalt beim Postchef, dessen Zinseinkünfte so gering waren, dass sie unter den Sparer-Freibetrag fielen, zur Steuer-Razzia anrückte?
2 Wir wunderten uns damals darüber, dass etwas, das jeder wusste, dass nämlich die Reichen in dieser Republik nur mäßig Steuern zahlen, weil sie ihr Geld gerne in Liechtenstein oder in obskuren Firmen parken, dass das wirklich verboten ist und endlich verfolgt wird.
1 So war nicht der Skandal das skandalöse, sonder allein der Umstand, dass wirklich – dank BND und einiger weniger als halblegal bezahlten Millionen für Informanten – wirklich ein Exempel statuiert wurde.
2 Gerechtigkeit für uns kleine Steuersünder, die wir brav von der Steuerfahndung getriezt werden, kündigte sich an. Aber Gerechtigkeit ist leider keine historische Dimension für die „Geistige Heimat“, also vergibt unser Kolumnist:
A Nur 2 Punkte!
1 ... für die aufgedeckten Liechtenstein Deals unserer Finanzelite. Obendrein vermisst unser Kolumnist bis heute all die anderen, versprochenen Razzien.
A Wir gehen zurück. Es gab Dinge, die die geistige Welt schneller bewegten!
2 Um die Zukunft von Ex-Postchef muß man sich keine Sorgen machen: Er ist au freiem Fuß, die Steuerschulden hat er aus der Portokasse beglichen und gerade bewirbt er sich als Aufsichtsrat bei einer Touristikfirma.
1 Mit Fahrten in angrenzende Zwergstaaten kennt er sich ja aus.
* Musik Chronomad, Shish, darüber nach dem Akzent *
1 T minus 42. Der Globus fieberte einem Dienstag entgegen, der von den Amerikanern unbescheiden „Super Tuesday“ genannt wird. Er sollte endgültig Gewissheit bringen, ob Barack, der Schwarze, oder Hillary, die Weibliche, Kandidat der Demokratischen Partei in Amerika werden soll, kann, darf oder muß ...
2 Es kam, wie es noch nie kam: Es fiel damals keine Entscheidung, so wie bis heute noch keine gefallen ist. Hillary ging am „Super Tuesday“ knapp in Führung, um diese dann wieder zu verlieren. Vor allem aber verlieren die Amerikaner: nämlich langsam die Lust an dem endlosen Duell. Soviel Demokratie war da drüben lange nicht mehr.
A Alle Punkte der Kolumne für Obama!
1 Ich notiere 5! Wir gehen zurück: zu T minus 45.
2 Ein Tag wie er nur in Frankreich möglich ist. Der etwas präpotente Kraftmeier aus dem Elysee-Palast heiratet ein bekanntes Ex Modell, das zuvor bereits einige äußerst erfolgreiche Karrieren als Millionenerbin, Model, Sängerin und Groupie hingelegt hatte.
1 Das Jahresgehalt von Carla Bruni, die aus einer wohlhabenden italienischen Industiellenfamile stammt, soll bereits in den neunziger Jahren über 7 Millionen Dollar betragen haben. Danach startete die Schöne noch eine Karriere als nicht ganz unbegabte Sängerin. Sie hatte sogar Nummer 1 Hits und ein erfülltes Sexualleben. Man munkelt
2 ... unter anderem! ...
1 ... von Affären mit Mick Jagger, Eric Clapton, Donald Trumpp, Sean Connery und Kevin Costner.
A Das ist zuviel des Guten!
1 ... meint dazu unser Kolumnist.
2 Und beklagt sich etwas, dass so etwas in Deutschland undenkbar wäre.
1 Würde es doch bedeuten, dass Angela Merkel ihren Mann verlässt und offensiv zu ihrer romantischen Beziehung zu Dieter Bohlen steht, um ihn daraufhin in Polen in einer evangelischen Kirche zu heiraten.
A Schon wieder: Volle Punktzahl!
1 ... vergibt unser Kolumnist für die französische Hochzeit von Geld, Macht, Musik und Schönheit.
2 5 Punkte: Vor allem weil Sarkuzy und Bruni sich weltweit zum Botschafter der freien Liebe machten, indem sie als unverheiratetes Paar zuerst in Ägypten die islamistischen Moralwächter auf den Plan riefen, dann auf ihrer Liebestour um die Welt saudiarabische Diplomaten umsonst fordern ließen, dass der französische Präsident – Zitat –
1 „seine Herzensdame aus religiösen Gründen zu Hause lassen“ solle
2 ... und schließlich die indische Regierung in Verlegenheit brachten, weil auch das dortige Protokoll keine Besuche von unverheirateten Paaren vorsehe.
A Wahre Liebe findet einen Weg. Ich bleib dabei: 5 Punkte mit Herz!
2 Was bleiben wird, ist die sentimentale Erinnerung, dass Macht auch mit Kraft, Sex, Romantik und Heldentum zu tun hat und nicht nur mit Bigotterie und Heuchelei.
1 Wir gehen zurück:
* Musik Chronomad, Shish, darüber nach dem Akzent *
2 T minus 50: Schon wieder: die Hessenwahl!
1 Oh nein! Solange geht das schon?
2 Bei der Landtagswahl in Hessen gewinnt keine Partei die Mehrheit, keine kann regieren. Die CDU nicht, die mit ihrem dummdreisten Wahlkampf verlor, die SPD nicht, die mit ungeschickten Wahlversprechen etwas gewann. Die kleinen Parteien nicht, weil die eine nicht mit jener und jene nicht mit dieser Partei regieren will oder kann. Ein dümmlicher Kleinkrieg um Versprechen und Prinzipien beginnt, in dem niemand gewinnen will oder kann. Wir lernen daraus,
a ... dass in Deutschland alle Partein zu blöd zum Regieren sind. Basta! Kein Wort mehr. Das Thema nervt. Carla Bruni in den Hessenrat.
2 Man stelle sich nur vor, mit welch kolossaler Geste ganz nebenbei Sarko die Führungskrise von SPD-Beck beendet hätte.
1 Nicht auszudenken!
2 Wir gehen zurück.
1 Das nächste Ereignis – nur einen Tag früher - hatten wir schon fast Vergessen: T minus 51 - Den Ausbruch eines Volkes aus seinen Grenzen. Am 26. Januar reißt die Hamas die Mauer nach Ägypten ein. Palästinenser stürmen das Nachbarland auf der Suche nach Lebensmitteln, billigen Kühlschränken und allem, was ein Mensch zum Leben braucht.
2 Kurzzeitig wagt man an den Fall der deutschen Mauer zu denken und daran, dass da drunten in jenem Open-Air-Gefängnis Palästina plötzlich alles gut werden könnte, so wie in Deutschland mit dem Fall der Mauer plötzlich alles so etwas wie gut wurde, ...
1 ... aber natürlich war das nur ein unhistorischer Traum, der ein Nichts an Wahrheit in sich trägt. Seitdem wurden die Bomben nur schwerer und der Krieg noch permanenter. Was für ein Elend, was für eine schwache Welt, die diesen Konflikt, der um ein wenige Kilometer breites Stück Land geführt wird, nicht beenden kann.
2 Wahrscheinlich hätte für die Rüstungskosten, die diese Auseinandersetzung seit Jahrzehnten verschlingt, jedem Palästinenser ein schickes Haus mit Grundstück im Grünen irgendwo anders auf der Welt spendiert werden können. Aber nein: die Welt, die überall voller Wunder und Schönheit ist, streitet sich um ein staubiges, verdrecktes Stück Wüste.
A Das ist noch weniger zu verstehen als der Sinn des Lebens,
1 ... meint dazu unser Kolumnist. Leider nur einen Punkt für den Fall der Mauer in Palästina, der nichts gebracht hat außer ein paar ergreifenden Photos und frischen Lebensmitteln. Wir gehen zurück.
* Musik Chronomad, Shish, darüber nach dem Akzent *
2 und kommen zum Lieblingsereignis unseres Kolumnisten im vergangenen Quartal:
1 T minus 53 - Am 24. Januar gesteht eine französische Bank, dass einer ihrer Angestellten bei Börsenspekulationen, die er angeblich auf eigene Faust gemacht hat, 4,9 Milliarden Euro Verlust gemacht hat. Unser Kolumnist gesteht klammheimlich:
A Schadenfreude!
1 Und doch bleiben Fragen:
2 Wetten auf Kursgewinne des DAX sind alltäglich im Finanzgeschäft. Der Angestellte machte also nur, was alle Banken machen. Wenn er das Geld für seine Bank gewonnen hätte, dann wäre er der große Held gewesen. Was hätte die Bank dann gemacht? Das Geld an ihre Kunden ausgeschüttet? Die Sparbücher überflutet?
1 Niemand hätte sich aufgeregt wenn der arme Bankangestellte zu einer Zeit bekannt geworden wäre, als er noch mehrere Milliarden bei Spekulationen gewonnen hatte.
A Wir lernen daraus:
2 Nicht das riskante Spekulieren ist verboten, sondern nur das Verlieren. Dies ist aber folgenlos, weil es die Geschäftskunden der Bank finanzieren. Welches Geld wird da eigentlich verspielt?
1 Ganz klar: Wenn die Bank gewinnt, gehört es der Bank, wenn sie verliert, zahlt der Kunde, der Staat, also wir.
2 ... vermutet unser Kolumnist, aber der hat in Finanzdingen keine Ahnung, sonst müsste er nicht solche Kolumnen hier schreiben. Fasziniert vergibt er schon wieder 5 Punkte und weist aus historischer Gerechtigkeit darauf hin:
1 Deutsche Banken machen vergleichbare Verluste auch ohne riskante Börsenwetten. Bei T minus 58 beispielsweise gab die West LB bekannt, dass sie, 2 Milliaren Euro staatlichen Zuschuß braucht.
2 Die hochbezahlten Manager und Aufsichtsräte haben von diesen Geschäften wie immer nichts mitbekommen.
1 Nicht einmal bayrische Finanzminister wissen, was beispielsweise in der Bayern LB vor sich geht. Auch da fallen Verluste vom Himmel und die bösen Amis mit ihren unsauberein Immobiliengeschäften sind schuld. Unser Kolumnist fragt:
A Was beaufsichtigt eigentlich ein Aufsichtsrat?
2 ... und rechnet weiter wie ein Milchmädchen. Die 2 Milliarden der West LB, das sind nicht ganz 1% des Bundeshaushaltes, die hier mit einem Schlag verpulvert, verfeuert, vernichtet, verschlampt, verbrannt zum Fenster hinausgeworfen wurden. Wieviel Landesbanken haben wir?
A Wahnsinn! 4 Punkte dafür.
1 Ein Zitat haben wir noch: Noch heute wirbt die West LB, deren Manager im Verdacht steht, den Aufsichtsrat hintergangen zu haben, deren Belegschaft wohl zu einem Drittel entlassen werden wird und die den Staatshaushalt mit Millardenforderungen belastet, auf ihrer Internetseite mit dem Spruch:
2 „Ganzheitliches Denken, nachhaltiges Handeln und gesellschaftliche Verantwortung bestimmen unser Tun.“
A Selten wurde dreister gelogen.
* Musik Chronomad, Shish, darüber nach dem Akzent *
2 T minus 85. Der schwarze US Senator Barack Obama gewinnt die erste aller Vorwahlen um die Kandidatur für den Präsidentschaftsposten.
1 Dies wiederum ist ein gutes Beispiel dafür, dass Geschichte so wie der Kampf von Olli Kahn eben immer weiter geht und immer weiter geht und nie ein Ende findet. Obamas Sieg im Januar ist nur deshalb von historischer Bedeutung, weil bei T minus 80 seine Konkurrentin Hillary Clinton die nächste Vorwahl in New Hampshire überraschend gewinnt und seitdem beide sich ein nie mehr endendes Rennen um den wichtigsten Posten der Welt liefern.
2 Unser Kolumnist vermutet.
A Es wird Amerika so gehen wie Hessen.
1 Dort regiert statt Ypsilanti auch noch der längst abgewählte Koch. Und so wie Dieter Bohlen die Carla Bruni Deutschlands werden könnte, so wird Obama endlich die Ypsilanti Amerikas.
A Was zu beweisen war!
2 Fassungslos steht die Welt vor dem erbitterten Ringen eines Schwarzen und einer Frau um den Posten eines Kandidaten. Plötzlich scheinen alle Rentiments im an Resentiment reichen Staat USA hinweggefegt. Die Welt könnte plötzliche eine gute sein. Unser Kolumnist sieht es kommen, dass ...
A ... bei der nächsten Präsidentschaftswahl in den USA ein Islamist gegen einen Homosexuellen antritt.
1 Und wir gehen noch einen letzten Schritt zurück
* Musik Chronomad, Shish, darüber nach dem Akzent *
2 Und kommen zum Ende dieser Kolmne, zum Anfang des Jahres und zum Tiefpunkt des Geistes. Zum 1. Januar, T minus 88; der Tag an dem in Bayern und in 7 anderen Bundesländern ein Gesetz in Kraft trat, dessen Durchsetzung noch Monate später selbst die allmächtige CSU ins Wanken bringen wird. Ab diesem Tag darf in Bayern in Kneipen nicht mehr geraucht werden. Kein Gesetz des Jahrhunderts wird so leidenschaftlich diskutiert.
1 Nicht Geldvernichtung, nicht Korruption, nicht der autobahnenübergreifende Überwachungsstaat erregt die Deutschen, sondern allein das Verbot in Kneipen zu rauchen. Das sagt alles über den Zustand unserer geistigen Heimat aus. Unser Kolumnist, ein Gelegenheitsraucher vergibt für dieses Ereignis, das bis heute die bayrische Geschichte durchzittert ...
a 5 Punkte, selbst in diesem überaus ereignisreichen Quartal.
2 Womit wir am Ende und bei der Gesamtwertung wären. Noch nie in der Geschichte der „Geistigen Heimat“ gab es so viele hochrangige Ereignisse in einem Quartal. 3,8 Punkte aus 8 Großereignissen in 88 Tagen, das ist Rekord. Mehr von Klassenkampf und Schmonzette, Kriegen und Skandalen im nächsten Quartal.
* Outro-Musik „King’s Sisters“ Ende (Die letzten 33“) von „Windmills of your your mind“ *
ammer - 14. Mär, 12:35